stille

blume

zurück
gezogen
(im daheim)
… mit sich … seltsam …
allein
das ich
näher rückt

bilder fluten
ängste keimen
der nährboden
beengt
vergänglichkeit
tickt laut
in dieser zeit

wir möchten
halten
kontrollieren
gestalten
doch es fliesst
unbeirrt stetig grenzenlos frei
an uns vorbei

nackt
verwirrt
der mond
die welt
uns zu füssen
mächtig gross
wir dachten

griffen
nach mehr
vergassen
das kleingedruckte
zu beachten
schonungslos stetig ungesehen es fliesst
sich über uns ergiesst

erstarrte städte
läden verstummt
tödlicher strom
leise fliesst
strassen geleert
betroffenes schweigen
eingekehrt

in dieser Stille
tränen
wir hören
verzweifelte
ohnmacht
im reigen mit dem
tod

und die frage
nagt
was bleibt
wenn wir entblösst
von überfluss
sicherheit
losgelöst

ich höre
töne
oft ignoriert
unscheinbar
auf einmal
wunderlich
klar

deine hand
in meiner
deine Schritte
neben mir
lachende teenager
jetzt und hier
werfen glücksmomente

hoch in die luft
ausgelassen
frech und flink
überfliegen mein Herz
berühren
eine antwort
mit sich führen

Freundin

Kaffee1

Freitagsluft
Macchiatoduft
weiches Tratschen
süsser Genuss
Worte
wandern
entdecken
erschrecken
ungeahnte
Neugier
wecken 

gemeinsam
im Tal der Gefühle
wühlen
während
Gedankenmonster
peinlich
berühren
auf dem Tisch
herumstolzieren
Erinnerungsfetzen
jonglieren 

ob wir sie
verdecken sollen?
“Stopp
ans Licht wir wollen”
schreien
die Gestalten
trotzig bleich,
“dass
niemand
von der Stelle
weicht”

Gedankenschnipsel
von uns
mit Stiften markiert
halten
die Wichte hoch
in die Luft
höhnisch
verschmitzt
“erbärmliche
Striche habt
ihr geritzt”

sie tanzen
stampfen bis
Funken sprühen
Schnipsel glühen
Striche schmelzen
zum Bild
farbig wild
und wir spüren
wie nie
lebensbejahende
Energie

das Bild
schräge Schnörkel
Flecken, Kanten
altbekannte
Querulanten
das ich
in neuem Licht
ungeschminkt
weder gut/
schlecht
dafür
erfrischend echt

die Kreaturen
verschwunden
geblieben
ein Lächeln
Leichtigkeit
wir zwei
am Tisch
Sinne geweckt
der Milchschaum
hervorragend
schmeckt

tanzend durch den Tag

Frühlingsputz Frühlingsputzi

wische verstaubte
marode
Gedanken
fege
die Ecken
entdecke
längst
vergessene
Ideenflecken
wipp
mit den Hüften
Wortkrümel
hoch
in die Lüfte
frisch
belebte
Bilderdüfte

Konsonanten
mit Vokalen
Tango
tanzen
purzeln
hopsen
den Wänden entlang
flip flopsen
die Hände
behende
schöpfen
greifen
buntgestreifte
Sätze reifen
auf weissem Papier
…neue Spuren
jetzt und hier…

Neujahr

himmel2018.png

 

 

 

leises licht
im zimmer
sanft die musik
umarmt
du schliesst die augen…
für immer

die andere welt
dir winkte mit
armen weit,
weihnachtsglocken
dich begleiteten
du warst soweit

„alles bereit“
deine Seele flüsternd
sprach
langsam
langsam
dein leben zerbrach

dein geist dir
vorausgegangen
als nebelschwaden
sich erhoben
harte mauern
den zugang verboten

alles zerbröckelte
chaos hinterliess
leere räume
der kopf sich stiess
erinnerungen zerflossen
in tränen gegossen

und doch
seit dem advent
unerklärlich
sonderbar
immer wieder
klar

du redetest
von dieser
anderen welt
du zeigtest
fragest ob wir sehen
verstehen

die seele sprach
was der kopf
vergass
„danke
dass es dich
gibt“

„danke
du warst so lieb“
du meintest
deine frau
dein fels
dein anker, dein licht

den schritt du wagtest
im wissen
„es wird ganz schön“…
der letzte Herzschlag
fällt…
alles liebe
in der neuen welt

neujahr
gedenkt
365
tage
schenkt
carpe diem

Ohne Worte

weinendeskulptur

betroffene Gesichter
leises Schluchzen
im Raum
die Frau
den Kopf geneigt
roher Schmerz
ungeschminkt
sich zeigt

absolute Stille
ehrfurchtsvoll
als ob die Zeit
gestoppt
der Moment eingebrannt
die Luft erstarrt
nur das Schluchzen
heftig, leise, zart

voller Erbarmen
Unausprechliches
wir ahnen
-Unfall das Thema war-
ihr Schluchzen
vage Worte, undenkbar
“Mein Kind…
starb vor einem Jahr.”

Wie kann man trösten,
wenn Leid unendlich?
Ohne Hoffnung, nie…
ich umarme sie
Worte
versagen

das Schicksal, elende Qual,
nichts, niemals, nie…

Der Marathon

 

landscape

1. Perspektive

Der Marathon
beginnt
beflügelt
beschwingt
Höhenflüge
der Perfektion
im höchsten Ton
mit Lobgesängen
begleitet
zu mehr und
schneller
verleitet

2. Perspektive

Der Marathon
hart
Ziel
gleich
Start

das
Ende
als
Wende
zur Ruhe
gibt es
nicht

höher
schneller
besser
ruft
das Ich
darum
kein
Halt
die Füsse
geballt
ohne
Pause

wo das
zu Hause?
und doch

trotz Schnauf
im Strudel
rafft sich
auf denn nur
wem’s gelingt
den nächsten
Hügel
erklimmt als
Sprungbrett
für die nächste
Hürde
verschwommen
im Schatten des
Horizonts
begonnen

der Fokus
gerichtet

den Berg
gesichtet
erneut
der Lauf zum
Gipfel
beginnt
an Etappen
beklatscht
bewundert
begehrt
und erreicht
als
one of the best
Mount Everest

3. Perspektive

Auf dem
höchsten
Berg
im prallen
Sonnenschein
blutend
allein
die Seele
schmachtet
verachtet
genagelt
ans Gipfelkreuz
bis das Blut
gerinnt
der Körper
von Neuem
zu rennen
beginnt

 

 

 

Beim Coiffeur

coiffeur

Schäumende Haare
Shampoo Düfte
weiche Hände
massierend
kreisen
den Kopf
entleeren
auf wundersame
Weise…
Wer dreht das
Gedanken –
volumen
auf
leise?

Genüsslich
im Stuhl
locker entspannt
Glieder und
Wille…
wunderbare
Gedankenstille
………………
nur sanft
Musik
zärtlich
schlicht
Sinn und Muse
im Gleichgewicht

Bis ein
Gedankenstrich
die Hand erhebt
so leise spricht
ich acht ihn nicht
doch er erklimmt
sich schwingt
mich zwingt
zu betrachten
Einsteins
Relativität…
Meine Ruhe
ins Wanken
gerät

In 24 Stunden um die Erde wir reisen
in einem Jahr die Sonne umkreisen
rasen mit einer Million
Kilometer pro Stunde
um unsre Galaxie
unfassbar wie…
die Energie
der  Speed
das  Sausen
die Kraft
der Drall…
Wer spielt
mit diesem Ball?

Und ich
hier sitzend
verwurzelt
flitzend
an Ort
getragen
— Gratisflug
sozusagen —
wirbelnd
durch mehrere
Dimensionen…
utopische
Stillstand-
illusionen

Selbst wenn wir
rasen, rennen
Ziele bekennen…
Das Welttachometer
nichts registriert
von diesen Meilen
als ob an Ort
wir nur verweilen
keine Strecke
sondern in Schlaufen
kreisend laufen…wie
die Erde auf ihrer Bahn?
Unmenschlicher
Grössenwahn

“Gehts ihnen gut?”
fragt eine Stimme
das Tuch um meine
Haare legend.
”Schon vorbei?”
meine Augen fragen,
“das kommt davon”,
die Sinne sagen
“dein Körper hier
doch leer
Gedankenblitze
kreuz und quer.”
Einstein zwinkert:
“Na, bitte sehr”

Die Lücke

 

Lücke

 

Mut zur Lücke
hat seine Tücke
Wer wagt und springt
–der Sprung misslingt–
im Loch versinkt
ein anderer
die Lücke füllt

Dann wiederum
mancher aufgewühlt
als Lückenbüsser
sich fühlt
–die Rolle eine Bürde–
ein Loch in der Erde
begrüssen würde

Oder jener der
unverhofft
geht und zu spät
versteht:
–die Moral in Stücke–
Er hinterliess
keine Lücke

Glücklich wer
zur richtigen Zeit
eine Lücke sieht
–ob dünn oder breit
Frau oder Mann–
und diese nahtlos
schliessen kann

 

Allen eine lückenlose Woche wünsche ich.

Tauwetter

Schneesturm

 

 

 

 

Eingetaucht
in dunkler Nacht
durch Schneegestöber
sausend fahren
du und ich . . .
Nebellichter
die Wege weisen
tanzende Flocken
energisch treiben
in wildem Tango.

Stoisch verankert
kahle Bäume
sippen
wippen
Schneevorhänge
kraftvoll
knicken
müden
Rädern
eifrig nicken

Frost zerkratzt
metallne Türen
tätowiert Kristalle
kalt
an unsre
Scheiben
eisern
drohend
Unruhe tobt . . .
da draussen

Im Innern . . .
eingefrorene
Gedankenfalten
langsam
stetig
wundersam
der heissen Lüftung
weichen
warm sie schmelzen
in den Augenblick

Aufgelöst losgelassen
abgelegt . . . sanft
ein Lächeln entsteht
im Hier und Jetzt
in diesem Augenblick
den Moment einatmen
tief ins Herz
im Kopf still stehen
Bilder sammeln
für die Ewigkeit

Ich lausche den Worten
die leicht und munter
auf deinen Lippen
tanzen
höre Müdigkeit
dich streicheln
sehe in deinem
schlafenden Gesicht
die Welt dich
liebevoll umarmen

Und ich verstehe:
Nichts steht
zwischen uns
kein Druck
kein rauher Wind
nur Nähe
Beziehung
herzlich warm
wohlgesinnt
Mutter und Kind.